Die Cyanotypie (Eisenblaudruck)

1. GESCHICHTLICHES.

Eines der ältesten und einfachsten fotografischen Kopierverfahren ist die Cyanotypie (Cy) oder der Eisenblaudruck. Seit etwa 1850 wurde die Cy in verschiedenen Varianten, meist jedoch zur Herstellung von Blaupausen verwendet, denn die Cy arbeitet rel. hart und druckt folglich starke Verkürzungen aus der Tonwertskala der Negative.Besonders beachtlich ist die feine Zeichnung der Cyanotypie.                 

2. PRINZIP DES VERFAHRENS.

Das Prinzip der Cy beruht darauf, daß ein bestimmtes, belichtetes Eisensalz in Wasser einen tiefblauen Niederschlag hervorbringt, der - u.a. - auf Papier haften bleibt. Kopiert wird in direktem Sonnenlicht (oder unter einer entsprechend intensiven künstlichen UV-Lichtquelle) von einem Negativ im Kontakt. Die Cy gehört zu den rel. wenig manipulierbaren Kopierverfahren. Cyanos lassen sich aber sehr gut mit anderen Edeldruckverfahren (Gummidruck) kombinieren.

3. PRAKTISCHE DURCHFÜHRUNG DES VERFAHRENS.

Die Cy hält auf fast allen Papieren, zu faserige oder zu glatte Oberflächen sind bei Bedarf mit 5%iger, heißer Gelatinelösung vorzupräparieren. Andere Materialien wie etwa Glas, Stein, Holz etc. sind ebenfalls so vorzubehandeln.

Materialliste:
  • Labor mit üblichem S/W Negativ- und Positivmaterial.
  • AGFA GO 210 p Halbtonfilm.
Chemikalien:
  • 250g Kaliumhexacyanoferrat -III- (Rotes Butlaugensalz)
  • 500g Ammoniumeisen-III-citrat
  • Salzsäure und Ammoniak (alternativ: Natriumcarbonat)
  • Pinsel, Grammwaage, Mensur und Kopierrahmen.
Beschichtung des Papiers:

Das Papier (oder andere Trägermaterialien, z.B. Glas) ist mit folgender Sensibilisierungslösung zu beschichten, die man vor Gebrauch im Verhältnis 1 : 1 zusammenmischt:

  • A) 25%ige Ammoniumeisen-III-citrat
  • B) 10%ige Kaliumhexacyanoferrat-Lsg.

Die Mischung ist lichtempfindlich und sollte nur bei Glühlampenlicht verarbeitet werden.

Die Lösung wird mit dem Pinsel aufgetragen. Danach läßt man das Papier ca. 1-2min flach liegen (die Lösung muß etwas in den Papierfilz einziehen!) bevor man mit dem Fön trocknet.

Belichtung:

Belichtet wird unter einem Negativ (Fotogramme erfordern natürlich kein Negativ) in der Sonne ca. 10min, unter der künstl. UV-Lichtquelle etwa eben so lang. Belichtungskontrolle: Man schaut im Schatten nach, ob sich auch die Lichter schon hellblau abzubilden beginnen. Wenn ja - die Schatten sind dann schon längst dunkelgrau - ist die Belichtungszeit ok. GANZ BESONDERS UNTERBELICHTUNG IST ZU VERMEIDEN. Der blaue Farbstoff haftet in diesem Fall nicht gut genug am Papierfilz an und beginnt im Wasser wegzuschwimmen! Mein Rat: Einfach durch gezielte Über- und Unterbelichtung das Material kennenlernen.

Entwicklung.

Das belichtete Papier wird schichtabwärts in kaltes Wasser gelegt und darin eine Weile schwimmen gelassen. Nach wenigen Minuten ist das unbelichtete Eisensalz ausgewaschen und das fertige Bild steht auf dem Papier. Die Entwicklung - und damit gleichzeitig die Klärung - ist beendet, wenn keine blaue Farbe mehr vom Papier abläuft. Man kann das Bild noch etwas "schönen", indem man es in ein ca. 2%iges Bad aus Salz-,Essig- oder Citronensäure bringt. Die Schatten vertiefen sich etwas. Es ist möglich, die Cyanotypien auf chemischem Weg mit Tannin zu tonen. Der Farbton ändert sich dabei von blau in Richtung braun/schwarz mit allen möglichen Schattierungen.

Trocknung.

Es gibt nur eine wirklich gut Methode: die Bilder mit Naßklebeband auf Glasscheiben aufziehen und über Nacht langsam trocknen lassen. Unterschätzen sie bitte nicht die Trocknung! Es gibt nichts schlimmeres als einen schlecht getrockneten, knittrigen Fine-art-print. Nur PE-Gurken sind schlimmer.

Gehen sie wie folgt vor:

Legen sie den tropfnassen Druck mit der Schichtseite nach unten vorsichtig auf eine ausreichend große, saubere Glasscheibe und streifen sie ihn mit einem Gummirakel ab.

WICHTIG: GEHEN SIE NIEMALS MIT DEM RAKEL ÜBER DIE SCHICHTSEITE UND UNTERLASSEN SIE DAS SONST ÜBLICHE 'REIBEN MIT DEN FINGERN' IM ENTWICKLER ODER IN DER WÄSSERUNG, DIE SCHICHT IST SEHR EMPFINDLICH UND DANKT IHR VORGEHEN UNWEIGERLICH MIT SELBSTZERSTÖRUNG!                              

Nehmen sie jetzt den Print von der Glasscheibe und legen sie ihn mit der Schichtseite nach oben auf die Scheibe zurück. Durch Auflegen einer alten Zeitung wird die Oberfläche vom stehenden Wasser befreit, abgelöscht sozusagen. Das Blatt wird dann noch mit Naßklebeband auf der Scheibe fixiert und an einem nicht zu trockenen Ort über nacht getrocknet. Bei zu schneller Trocknung reißt ihnen mit Sicherheit das Bild oder das Klebeband. Also: Geduld!
Am nächsten Morgen schneiden sie das Bild mit einem Cutter von der Scheibe und sie werden sehen, es ist traumhaft glatt!

Die Negativherstellung.

Siehe Seite Negative.

 

Alternativ: New Cyanotype Prozess nach Mike Ware.