Gummidruck I

Die Vorbereitung des Papiers

Ein Artikel von Hermann Försterling

 

Auf dieser Seite über Gummidruck beschreibt Hermann Försterling die Vorbereitung des Papiers. Keine fotografische Kopiertechnik gewährt so viele kreative Möglichkeiten wie der Gummidruck. Nur dieses Verfahren bietet eine fast unbegrenzte Auswahl an Basispapieren oder Farbtönen und erlaubt es, ganze Bildteile unbemerkt verschwinden zu lassen oder wichtige Elemente in den Vordergrund zu rücken.

Ein Verfahren und seine Tücken

Doch diese große Freiheit muß teuer erkauft werden. Die Technik der unbegrenzten Möglichkeiten ist schwierig und langwierig. Ein Negativ perfekt und tonwertreich umzusetzen, ist schon eher beim Pigmentdruck, beim Platindruck oder der Photogravüre möglich. Der Gummidruck ist ein tückisches Verfahren. Schon nach kurzer Lehrzeit schwimmt der erste Abzug in der Wanne, und man findet alles kinderleicht. Wie naiv: Mit jedem weiteren Schritt nehmen die Probleme zu.

Um den Tonwertreichtum eines Negatives einigermaßen umzusetzen, sind drei Drucke erforderlich: Der Lichterdruck soll feine Differenzierungen zeigen, der Mitteltondruck bestimmt die Gesamtwirkung (und kann eventuell auch allein stehen), der Kraftdruck forciert die Schatten. Am Rande: Noch heute geben sich manche, wahnsinnige Gummidrucker mit nicht weniger als acht Schichten zufrieden. Abgesehen von den völlig Abgedrehten, die nicht davor zurückschrecken, den naturfarbigen Gummidruck zu versuchen.

Kein Edeldruckverfahren wurde öfter publiziert als der Gummidruck. Doch die meisten Beschreibungen sind veraltet. Die Materialien haben sich mit der Zeit verändert und vieles dadurch einfacher geworden. Das Prinzip: Ein Papier bekommt eine Emulsion aus Pigmenten, Gummi und Chromat. Unter einem Negativ belichtet, härtet das Chromat die Farbgummimischung, beim anschließenden Wasserbad schwimmen nur die unbelichtete Gummipigmentschicht ab. Zurück bleibt ein Positiv im Farbton des gewählten Pigments.

Ein Negativ im Riesenformat

Sie brauchen also ein Negativ in der Originalgröße das geplanten Bildes. Dieses Negativ darf eher dünn sein; im Kontakt mit üblichem SW-Papier sollte es auf Gradation 3 bis 4 (hart) die besten Ergebnisse liefern.  Als Film eignet sich gut der Agfa GO 210p, ein kontrastvariebIer, orthochromatischer Halbtonfilm. Falls die Negative zu hart oder dicht sind, wirkt ein Bad in Lichterabschwächer Wunder.

Das Papier muß schrumpfen

Das Ergebnis hängt stärker als bei anderen Verfahren vom Papier ab. Rauhe, gekörnte Papiere bringen zwar schönere Tonwerte, kopieren aber nicht so scharf. Bei ganz glatten Papieren macht ein gleichmäßiger Aufstrich Mühe, und der ganze Druck kann bei der Entwicklung leichter abschwimmen. Achtung: Fabrikneue Papiere, die befeuchtet und wieder getrocknet werden, schrumpfen. Fatal, wenn dann - nach der ersten Kopie - für den zweiten Druck das Negativ nicht mehr paßt. Das Papier muß also schon vor dem Druck geschrumpft werden. Darum tauche ich die Bögen in heißes Wasser, lasse sie 30 Minuten in dem abkühlenden Bad schwimmen und trockne sie dann über der Heizung, mit einem Fön oder an der Leine in einem sehr warmem, trockenen Raum. Nach jedem weiteren Wasserbad werden die Papiere stets nur noch bis auf dieses Maß zurückschrumpfen. Nur bei sehr zahlreichen, dicken Beschichtungen zieht sich das Papier durch die Spannung der aufgetragenen Gummimischung doch noch ein wenig zusammen.

Die Nachleimung mit Gelatine

Damit bei der Entwicklung unbelichtete Teile wirklich sauber abschwimmen und keinen Farbstich in den hellen Bildteilen hinterlassen, darf die Farbgummilösung nicht tief in den Papierfilz eindringen; andererseits sollen belichtete Stellen gut haften. Darum müssen alle heutigen Aquarell- und Büttenpapiere nachgeleimt werden. Die meisten Gummidrucker überziehen ihre Papiere mit einer 2-3%igen Gelatinelösung (5-10% für das stärker saugende Kupferdruck-Bütten). Nach dem Trocknen härtet man die Schicht 20 bis 30 Minuten in einer 5%igen Chromalaun- oder Formalinlösung, die nicht mehr als 20 oC warm sein darf. Das gleicht der Herstellung von Übertragungspapier für den Pigmentdruck, nur daß beim Gummidruck die Schicht viel dünner sein muß. Sie können die Gelatine genauso gut durch Weizen, Mais- oder Kartoffelstärke, etwa Mondamin, ersetzen, müssen dann aber auch wie oben härten.

Wenig froh macht mich der neue Geheimtip: Sprühstärke. Eigentlich dazu gedacht, Hemdkragen in Form zu bringen, soll diese Stärke zur Vorleimung taugen. Doch löst sich die Sprühstärke selbst in sehr kalten Bädern schnell auf. Die erforderliche Nachhärtung gelingt kaum, weil sich im Härtungsbad schon die meiste Sprühstärke vom Papier abgelöst hat, bevor sie an der Oberfläche fixiert werden konnte.

Was wirklich Erleichterung bringt: Härten Sie die Gelatine schon vor dem Aufstrich. Quellen Sie in einem Liter Wasser gut 20 Minuten lang 20 bis 30 Gramm Blattgelatine (für Büttenpapiere 50 bis 100 Gramm) und erhitzen Sie unter mehrmaligem Umrühren so lange, bis die Gelatine geschmolzen ist. Nicht kochen! In die warme Gelatinelösung rühren Sie nun 50 ml einer 5%igen Chromalaunlösung. Als Alternative tut es auch Kalialuminiumalaun, und zwar 7,5 Gramm auf 50 ml Wasser. Aber Vorsicht: Wenn die Gelatine einmal geliert, also kalt wird, läßt sie sich nicht mehr verflüssigen. Abhilfe: In die warme, flüssige Gelatine-Alaun-Mischung rührt man tropfenweise Ammoniak ein, bis sich rotes Lackmuspapier blau färbt. Damit hat die Gelatine ihr Gerinnungsvermögen verloren und läßt sich auch kalt verstreichen. Verschließen Sie die restliche Lösung in einem sauberen Glas. Die Lösung hält sich sehr lange, kann aber, einmal getrocknet, auch mit sehr warmem Wasser nicht mehr gelöst werden.

Auf dieser "klassischen" Vorleimung läßt sich bestens arbeiten. Jetzt verrate ich Ihnen noch eine andere Vorleimung, und die ist schnell, sauber, flexibel, billig, alterungs- und hitzebeständig: Seit einigen Jahren benutzen Kunstmaler Acrylbinder- oder dispersionen, um Farben anzureiben oder, bei der Ölmalerei, eine Leinwand zu sperren, ihr also die Saugfähigkeit zu nehmen. Was früher mit Knochenleim oder Gelatine mühevoll angesetzt werden mußte, geht heute ganz fix. Dr. Kremers Farbmühle in 7974 Aichstetten liefert eine Dispersion (K6), mit der man die Papiere für den Gummidruck nachleimen kann. Verdünnen Sie das Mittel für stark saugende Papiere 1:10 mit Wasser, für weniger saugende Träger reicht eine Verdünnung 1:20 oder 1:30. Streichen Sie die Lösung zügig auf, ohne Pfützen und Seen entstehen zu lassen. Bei durchgetrockneten Papieren läßt sich manchmal die nachgeleimte Seite kaum identifizieren. Darum: Wenn Sie das Papier zum Trocknen aufgehängt haben, markieren Sie die behandelte Seite unauffällig mit einem Bleistift. Nach der Trocknung wird beschichtet.

Gummi, Eiweiß, Tapetenkleister

Als Gummi verwenden sie festes, wasserlösliches Gummi arabicum, erhältlich in ungereinigter Stückform (billig) oder gemahlen als Pulver in chemisch reiner Form (teuer).
Die beste Sorte, Kordofan- oder Senegalgummi, stammt von tropischen Akaziensorten und sieht aus wie Bernstein. Gummi ist ungiftig und steckt als Bindemittel in fast allen wasserverdünnbaren Farben, aber auch in Kaugummi oder Lakritze. Bevor Sie die Stücke in Wasser auflösen, sollten sie zerkleinert werden - sonst dauert es Tage, bis zur Auflösung. Wickeln Sie also die Brocken in ein Leintuch und hauen Sie mit dem Hammer solange drauf, bis die Einzelteile nicht mehr größer als Erbsen sind. Bereiten sie sich damit eine 40%ige Gummilösung, die als Bindemittel für den Farbaufstrich. Die reine Lösung beginnt nach wenigen Tagen zu faulen. Mit ein paar Tropfen Glyoxal hält sich der Ansatz mehrere Wochen, im Kühlschrank oder der Tiefkühltruhe gar Monate, auch wenn die Klebekraft des Gummis ein wenig nachläßt. Maler, die Tempera- oder Gouachefarben anreiben, bevorzugen einen Zusatz von sechs Gramm Borax je Liter Gummilösung, damit die nicht fault. Eine Gummilösung, die faulig riecht, können Sie vergessen. Versuchen Sie es statt mit Gummi arabicum auch mal mit Tapetenkleister. Vor allem die Version für besonders schwere Tapeten kann schöne Ergebnisse bringen. Setzen Sie das Pulver nach den Hinweisen für Rauhfaser oder Textiltapeten an. Früher wurde Gummi auch noch durch Knochen- oder Fischleim ersetzt. Der löst sich langsamer im Entwicklungswasser, hat aber keine Vorteile, auch nicht den angeblich höheren Tonwertumfang. Dem Tonwertspektrum hilft jedoch Eiweiß nach. Geben Sie unter die dickflüssige Gummilösung bis zu einem Viertel Raumteil Eiweiß. Trennen Sie zu diesem Zweck das Eiweiß sauber vom Eigelb und schlagen Sie es schaumig. Lassen Sie nun den Eischnee rund 24 Stunden bei Zimmertemperatur in einem sauberen Gefäß stehen. Gießen Sie dann nur das Eiweiß (Albumin), das sich wieder abgesetzt hat und flüssig geworden ist, zur Gummilösung. Sie erweitern damit den Belichtungsspielraum und die Kontrollmöglichkeiten, weil auch hier die Entwicklung langsamer abläuft.

So bringen Sie Farbe ins Spiel

Entweder Sie fertigen die Farben selbst an, oder Sie nehmen Aquarell- oder Temperafarbtuben. Besonders empfehle ich die Künstler- und Designer-Gouache, oder, mit sehr fein zerriebenen Pigmenten, die Aero-Gouache von Schmincke. Lukas verkauft eine Künstleraquarellfarbe, deren Pigmente weniger als zwei Mikrometer messen. Und es gilt: Je feiner die Pigmente, desto mehr Tonwerte können kopiert werden. Diese Farben sind teurer als die selbst bereiteten, dafür aber äußerst lichtecht und sind bereits mit Gummi arabicum als Bindemittel versehen. Neuerdings bietet- Schmincke die HKS-Designer-Gouache an, mit Gummi und Leim als Bindemittel. Die 84 Farben lassen sich alle untereinander mischen und kosten 4,50 Mark je 20 ml. Natürlich geht es auch mit billigeren wasserverdünnbaren Tubenfarben. Doch prüfen Sie Lichtechtheit und die Verteilung der Pigmente.

Es eignen sich nicht alle Farbtöne für den Gummidruck: Anilinhaltige Pigmente färben die Vorleimung und den Papierfilz mit ein und lassen sich nicht mehr ganz auswaschen. Diese Gefahr droht besonders bei lila und violetten Tönen. Wer Lila will, mischt besser blaue und rote Pigmente, eventuell zusammen mit Weiß.

Pigmente, Gummi arabicum in Stücken und Glasläufer zum Anreiben der Farben sowie auch verschiedene Dispersionen verschickt Dr. Kremers Farbmühle. Zehn bis 20 Gramm Fertigfarbe rührt man klümpchenfrei in rund 50 ml der Gummilösung, die auch schon das Eiweiß enthalten kann. Ein Netzmittel wie Agfa Agepon - oder Tween 20TM - vereinfacht die Verteilung der Pigmente und erleichtert den nachfolgenden Aufstrich erheblich. Künstler emulgieren ihre Farben mit Ochsengalle. Die Aufstriche perlen dann nicht ab und verfließen sauber. Gereinigte Ochsengalle verkauft Schmincke in 50-Milliliter-Fläschchen, bei Kremers Farbmühle kosten 100 ml sechs Mark.

Die Farb-Gummi-Emulsion machen wir mit Ammonium- oder Kaliumdichromat lichtempfindlich. 50 Gramm dieser orangeroten Kristalle rührt man bei 18 bis 30 oC in einen halben Liter destilliertes Wasser. Diese 10%ige Vorratslösung hält sich im Dunkeln Monate.

Beide Chromate sind äußerst giftig und gelten neuerdings als krebserregend. Vermeiden lassen sich die Materialien aber nicht. Tragen Sie unbedingt Handschuhe! Die Abfälle gehören auf den Sondermüll. Ammoniumdichromat kann in trockenem Zustand explodieren, also darf es kein offenes Feuer geben! Und lagern Sie alles unbedingt kindersicher.

Wer Ammoniumdichromat benutzt, kann eine 20%ige Lösung herstellen die vor Gebrauch 1:1 mit Spiritus verdünnt wird. Etwas weniger kostet das Kaliumdichromat, erzeugt geringfügig unempfindlichere Schichten und läßt sich etwas schwerer auswaschen. Es ist nicht alkohollöslich - also keine Spiritusverdünnung - kann dafür aber auch nicht explodieren.

Die Lösung kommt auf das Papier

Vermischen Sie einen Teil Farbgummi mit drei Teilen Chromlösung und streichen Sie das Gemisch mit einem weichen, breiten Pinsel zügig auf die vorgeleimte Papierseite. Besonders geeignet sind für diesen Zweck die weichen Schaumstoffpinsel, die es für Seidenmalerei gibt. Kleine Schaumstoff- oder Mohairwalzen aus dem Baumarkt passen nur zu größeren Formaten; bei kleineren Bildern fällt ihre Struktur, die sie in der Schicht hinterlassen, unangenehm auf.

Beim Aufstricht fixieren Sie das Papier am besten mit Stecknadeln auf Pappe oder kleben die Ecken mit Tesa auf ein Brett. Das Anmischen der Gummichromatlösung können sie bei Tageslicht vornehmen, den Auftrag selbst sollten sie bei 15 Watt Kunstlicht vornehmen. Maximal lichtempfindlich ist erst die völlig trockene Beschichtung.

Warnung:  Kommen sie nicht auf die Idee, die Lösungen mit der Spritzpistole aufbringen, mag die Schicht auch noch so homogen geraten: Die Chromate, die schon bei Hautkontakt schwere allergische Reaktionen hervorrufen können, verteilen sich in der gesamten Raumluft, setzen sich überall fest und gelangen früher oder später in den Organismus.

Es geht auch mit dem Airbrush: Bestreichen Sie das gelatinierte Papier zuerst mit einer zehnprozentigen Chromatlösung. Anschließend sprüht man bei Duka-Licht auf diesen sensibilisierten Bogen die Gummifarbmischung auf, läßt trocknen und kopiert wie beim einfachen Gummidruck. Diese Methode erzeugt großen Tonwertreichtum, ist aber etwas umständlich.

Die Farbfläche muß nicht makellos homogen ausfallen, weil man meist mehrere Schichten übereinander kopiert und sich die mehr oder weniger streifigen Farbaufträge zu einer satten, sauberen Farbfläche addieren. Das endgültige Bild erscheint dann streifenfrei. Die einzelnen Farbschichten müssen sehr dünn aufgetragen werden, besonders die Schicht für den Lichterdruck darf nur sehr wenig Pigment enthalten - logisch - nur so gelingen feine Tonwertdifferenzierungen. Die jeweiligen Pigmente zeichnen sich durch unterschiedliche Deckkraft aus; zur Beurteilung der Schichtdicke hilft ein Probeanstrich auf einer Zeitung. Die Schrift muß - für Mittel- und Lichterdruck - gut leserlich bleiben. Nehmen Sie für den Lichterdruck helle Farben.
Ist der Auftrag zu dick, oder die Pigmentierung zu stark, kann die Schicht bei der Belichtung nicht bis auf die Papieroberfläche durchhärten. Die Folge: Die Schicht schwimmt im Wasserbad flächig ab.

Das Auftragen der Schicht.
Die Gummifarblösung ist - je nach Chromatgehalt - mehr oder weniger dickflüssig. Sofort nach dem Auftragen auf das Papier, beginnt die Schicht zu trocknen. Nach kurzer Zeit 'zieht die Schicht an' und der Pinsel gleitet immer zäher über die Oberfläche, ein Zeichen, mit dem Verstreichen aufzuhören. Nun wird mit Fön oder warmem Ventilator getrocknet. Vorsicht: Nicht über 35 oC, daß schadet der Schicht!   Saftylight (15W Glühlampe oder gelbe Leuchtstoffröhre) ist in dieser Phase Pflicht. Erscheint der Auftrag zu streifig, sprüht man mit einem Blumensprayer etwas Wasser auf die Schicht. Dadurch löst sich die Farbgummimischung wieder an und kann sauber egalisiert werden. Sensibilisierte Gummidruckpapiere bleiben nur ein, zwei Tage kopierfähig. Tiefgefroren halten sie sich länger, müssen aber vor der Belichtung auf Raumtemperatur gebracht werden. Je älter ein Gummidruckpapier, desto flauer und unempfindlicher arbeitet es.

Mehrfache Belichtungen

Haben Sie das Papier präpariert, kann belichtet werden. Dazu benötigen sie einen Kopierrahmen oder eine saubere, schwere Glasscheibe.

Für optimale Tonwerte brauchen Sie drei übereinander kopierte Drucke, Kraft-, Mittelton- und Lichterdruck. Weil also mehrfach belichtet wird, markieren Sie vor dem ersten Durchgang die Lage des Negatives auf dem Papier. Das geht am einfachsten, wenn das Negativ einen unbelichteten, durchsichtigen Rand von ungefähr zwei bis vier Zentimetern hat, auf den man sich in jede Ecke mit Filzstift oder mit Tuschfüller Passerkreuze zeichnet. Diese werden mitkopiert und sind im weiteren Verlauf die Orientierungspunkte für die genaue Plazierung des Negativs.

Belichten Sie mit starkem UV-Licht oder UV-haltigem Kunstlicht. Die Sonne tut's auch, wenngleich die Ergebnisse unter diesen Bedingungen nur schlecht reproduzierbar sind.
Bauen sie sich ein Belichtungsgerät aus sechs bis acht Schwarzlichtröhren - sehr effektiv - oder benutzen sie zwei 1000-Watt Strahler aus dem Baumarkt. Nachteil: die Schicht wird u.U. sehr heiß und dadurch wesentlich träger oder wird völlig durchgehärtet und damit unbrauchbar. Enthält die Beschichtung viel Chromsalz, aber wenig Farbe (für den Lichterdruck), dann dauert die Belichtung in der Sonne vielleicht nur ein bis zwei Minuten. Bei viel Farbe, wenig Chrom und einer Kunstlichtquelle (Halogenstrahler) können dagegen 20 Minuten vergehen. Hier muß man testen.
Die Belichtungszeit hängt dazu noch von der verwendeten Farbe ab - Gelb und Braun brauchen viermal länger als Blau, die anderen Farben liegen dazwischen. Weitere Faktoren, die die Dauer der nötigen Lichteinwirkung beeinflussen: das Alter des Chromsalzes, die Luftfeuchtigkeit und die Art der angestrebten Entwicklung.

Bei mechanischer Entwicklung (siehe unten) muß natürlich länger kopiert werden. Testen Sie auf jeden Fall unterschiedlich lange Zeiten mit einer Streifenbelichtung: Decken Sie das Bild mit einem schwarzen Karton ab und lassen Sie zunächst nur einen kleinen Spalt ans Licht; geben Sie dann nach und nach mehr Bildteile frei. Halten Sie die Reihenfolge dieses Verfahrens ein, denn belichtete Chromgummischichten härten nach; wenn Sie also erst nach und nach das belichtete Bild zudecken, kommen Sie auf falsche Zeiten. Auf der gesamten Bildfläche soll das Negativ sauber anliegen. Bei starken und welligen Papieren beschweren Sie deshalb die Glasscheibe ringsherum mit Gewichten.

Die Entwicklung im Wasserbad

Tauchen Sie das Papier, Schichtseite oben, unmittelbar nach der Belichtung in eine Schale mit rund 20 oC kaltem Wasser. Die nasse Schicht verliert sofort ihre Lichtempfindlichkeit. Der Entwicklungsprozeß beginnt: Zuerst löst sich ein Großteil der Chromsalze aus dem Papier, das Wasser färbt sich gelb. Bei hellen Farben sieht man ein braunes, positives Chrombild, das langsam etwas zurückgeht. Dieses gelbe, nach der Entwicklung braune Chromatbild muß später wieder ausgebleicht werden. Es erschwert die Beurteilung des endgültigen Druckes, besonders bei den Farben Gelb und Ocker - dann ist unklar, ob auf dem Papier das auszuwaschende Chrombild oder das Pigmentbild steht. An diese Töne sollten sich nur Geübtere wagen. Halten Sie die Wanne in Bewegung. Ziehen Sie das Papier vorsichtig unter Wasser hin und her.

Bei einigen Gummimischungen steht das Bild schon nach wenigen Minuten, andere brauchen eine halbe Stunde, um sich in den Lichtern vollständig zu lösen. Je mehr Gummi in einer Schicht und je weniger Pigment, desto schneller läuft die Entwicklung ab. Manche Gummidrucker tauchen den Druck lieber mit der Schichtseite nach unten in die Schale, so daß die unbelichteten und aufgelösten Pigmentteilchen zu Boden sinken. Diese "automatische" Entwicklung hat einen Vorteil und gleich mehrere Nachteile. Vorteil: Bei ausreichender Belichtung kann man den Druck ohne weiters 1-2 Stunden ruhig im Wasser liegen lassen mit der Folge, daß man ein sehr Nuancenreiches und feinkörniges Bild bekommt.
Nachteile: Sie könnennicht verfolgen, ob sich unter dem Blatt Luftblasen sammeln, die unweigerlich zu Fleckenbildung führen. Manche Büttenpapiere sind im Wasser überdies so schwer, daß sie zu Boden sinken - was den Druck sofort ruiniert, da die Schicht gegen mechanische Berührung sehr empfindlich ist. Außerdem ist es gar nicht so leicht, ein Papier mit der Schichtseite nach unten aus der Schale zu ziehen, ohne am Wannenrand entlangzuschleifen. Und schließlich lege ich die Schicht schon allein deshalb nach oben, weil mich die Entwicklung so sehr fasziniert.

Um die Entwicklung etwas zu beschleunigen, begieße ich den Druck, der im Wasser obenauf schwimmt, mit weiterem Wasser und erhöhe schließlich langsam die Temperatur, von 20 bis auf 50 oC.

Aber vorsicht, hier ist der Druck blitzschnell ruiniert!

Löst sich die Farbschicht immer noch nicht, greife ich zu härteren Methoden: Ich sprühe mit Schlauch oder Brause, ziehe einen weichen Schwamm vorsichtig über die Schicht oder entferne die Farbe sogar mit einem weichen Pinsel. Wenn sich immer noch nichts ablöst, haben Sie absolut überbelichtet!

Haben Sie alles richtig gemacht, sind nach zehn bis 20 Minuten die unbelichteten Stellen sauber abgeschwommen, dann erhalten Sie optimale Tonwerte. Mechanische Eingriffe wie oben beschrieben, verringern den Tonwertreichtum erheblich und machen das Bild sehr körnig. Schwimmt mehr oder weniger der ganze Druck ab, haben sie zu kurz belichtet.

Abhilfe gegen belegte Lichter

Auch bei korrekt belichteten und entwickelten Gummidrucken bleiben oft noch ein Hauch Farbe in den Lichtern stehen. Manche Pigmente (z.B. Magenta-Pigment) verbinden sich mit der Papierfaser derart stark, daß ein - vor allem in den Lichtern sichtbarer - Farbschleier die Folge ist. Hier hilft nur konsequentes Vorbeschichten mit Gelatine.
Eine weitere Ursache für Farbschleier könnte eine diffuse Vorbelichtung wg. zu intensiver Raumbeleuchtung sein. Abhilfe: maximal 15 Watt Glühbirne.
Überprüfen sie, ob die Schicht beim Trocknen möglicherweise zu warm geworden ist. Abhilfe: raten sie mal.
Hilft alles nichts, so führt man die Vorbeschichtung der Papierbögen in üblicher Weise mit Gelatine aus, läßt aber die härtenden Zusätze wie Alaun und Formalin weg.
Nun beschichtet man wie schon bekannt mit der sensibilisierten Farbgummimischung, belichtet wie ausgetestet und entwickelt zuerst in recht kühlem Wasser bei nicht über 18 oC. Ist das Bild fast ausentwickelt, sollte die Temperatur auf 20 bis 22 oC steigen. Jetzt beginnt die Gelatine in den Lichtern zu schmelzen und reißt die Farbgummimischung ab. Sofort kommt das Blatt in eine Wanne mit kühlem Wasser, die Entwicklung endet dadurch abrupt. Trocknen wie üblich. Vor jeder weiteren Belichtung muß wieder vorgelatiniert werden. Diese Ergebnisse sehen nun besonders elegant aus, weil zwischen jeder Farbschicht eine durchsichtige Gelatineschicht liegt, die das einfallende Licht bricht - ganz wie auf den Gemälden alter Meister.

Der mehrfache Gummidruck

Lichterdruck
Um großen Tonwertreichtum aufs Papier zu bringen, muß mehrfach übereinander gedruckt werden. Haben Sie mit dem ersten Druck einen Volltreffer gelandet, ist mit der oben beschriebenen Farbemulsion (ein Teil Farbgummi - drei Teile Chromatlösung) ein Lichterdruck entstanden. Der Druck sieht etwas flau aus, die Mitteltöne haben kaum Zeichnung, und die Schatten zeigen sich überhaupt nicht; dem Bild fehlt Kraft und Tiefe.

Mitteltondruck
Nun beginnt, nach guter Durchtrocknung, die ganze Prozedur der Beschichtung wieder von vorn. Mit einem Unterschied - die Chromsalzmenge wird reduziert. Statt drei Teilen Chromsalzlösung werden dem Farbgummi nur noch zwei Teile Chrom zugesetzt. Durch den geringeren Chromgehalt der Schicht verändern sich zwei Faktoren, die das ganze Geheimnis des Gummidrucks bilden: erstens wird die Schicht weniger empfindlich, zweitens entsteht eine härtere Kopie. Wenn Sie jetzt genauso lange belichten wie beim Lichterdruck, wird ein Mitteltondruck entstehen: Die im Negativ dichteren Lichter haben Sie ja bereits mit einer lichtempfindlicheren Schicht erhalten. Bei gleicher Belichtungszeit mit einer unempfindlicheren Schicht werden diese Teile automatisch unterbelichtet sein und im Entwicklungswasser abschwimmen. Die Mitteltöne sind in diesem Fall jedoch gut durchgezeichnet.

Kraftdruck
Für den Kraftdruck mischen Sie schließlich einem Teil Farbgummi nur noch ein bis 1,5 Teile Chromlösung zu. Folge: Die noch unempfindlichere Schicht wird das Negativ noch härter abbilden.

Wie einfach und logisch doch alles ist! Doch vielleicht hatten Sie nicht das Glück, gleich mit der ersten Mischung einen Lichterdruck hinzukriegen. Zwar schwimmt ein Bild in der Wanne, etwas zu hell oder zu dunkel - aber was ist jetzt besonders gut durchgezeichnet? Ist das ein zu dunkler Lichterdruck oder ein zu heller Kraftdruck? Oder gar ein richtig belichteter Mitteldruck? Meist schaue ich mir nochmals die Tonwerte auf dem Negativ genau an - habe ich eher die hellen oder eher die dunklen Tonwerte kopiert? - und weiß dann, welchen Auszug ich vor mir liegen habe. Ob der zu hell oder zu dunkel geworden ist, interessiert mich erst später, hier geht es um die Gradation der Schicht. Denn hell oder dunkel ist ja "nur" eine Frage der Belichtungszeit und der Entwicklung. Ist der Auszug zu weich, weiß ich: Chromlösung muß reduziert werden. Ist er zu hart, muß mehr Chrom dazu. Also starten wir alles von vorne. Manchmal beginne ich mit nicht weniger als sechs Bögen, und am Ende ist vielleicht nur ein einziger Gummidruck in x Schichten entstanden, den ich ohne schlechte Gewissen herzeigen kann. Bedenken Sie, daß sich ein Gummidruck, der einmal zu lange belichtet wurde, nicht mehr abwaschen läßt - das ist besonders ärgerlich, wenn bereits ein paar gelungene Schichten auf dem Papier sind.

Klären und härtender Schichten

Durch den mehrmaligen Anstrich mit der Farbemulsion hat das Papier erhebliche Mengen an Chromsalz aufgenommen und sich gelblich eingefärbt. Die Beurteilung de Tonwerte fällt dann schwer. Das Bad, das nun am Ende der Arbeit angewandt wird, besteht aus einer 10%igen, rund 16 bis 20 oC kalten Alaunlösung oder aus einer 5%igen Natriumbisulfitlösung, die allerdings ekelhaft riecht und beim einatmen ungesund ist. Das Blatt ist nach rund 20 Minuten wieder weiß, wird nun gründlich gewässert - je nach der Papierstärke ein bis zwei Stunden lang - bei vier bis sechsmaligem Wasserwechsel. In den beiden Bädern wird die Farbschicht allerdings wieder verletzlich; sie ist erst nach Durchtrocknen gehärtet und berührungsunempfindlich.

Damit sich der fertige Druck beim Trocknen nicht wellt, kleben Sie den feuchten, fertigen Gummidruck mit Naßklebeband auf eine Glasscheibe und lassen über nacht langsam und nicht zu warm trocknen. Retuschieren Sie mit den üblichen Eiweißlasurfarben oder mit den Tubenfarben und Pigmenten, die Sie bereits verwendet haben. Sofern Sie auf gutem, holzfreiem Papier gearbeitet und gründlich gewässert haben, ist der Gummidruck äußerst haltbar.

Sie dürfen stolz sein auf Ihr Unikat!