Altes und Neues vom Gummidruck

Nach einer Arbeitsanleitung von W. Gröber.

Viele Freunde alternativer Techniken halten den Gummidruck für das schwierigste aller Edeldruckverfahren und zögern darum zunächst, sich eingehend mit diesem aufwendigen Printverfahren auseinanderzusetzen. Es ist jedoch eine bestens geeignete Methode, wenn man das fotografische Experiment liebt und weitgehendste Freiheit im Gestalterischen anstrebt. Das größte Problem ist ohne Zweifel, grundsätzlich den Einstieg in diese Technik zu finden. Einige Tage frustrierten Pröbelns wollen überwunden sein, bevor man die ersten brauchbaren Ergebnisse in den Händen hält.

Prinzipiell gehört der Gummidruck zu den eher preiswerten Techniken, aber: Es handelt sich um ein Kontaktkopierverfahren, das Negative im angestrebten Bildformat benötigt. Und große Planfilmformate sind teuer.

Näheres darüber auf der Seite Negative.

Wolfgang Gröber, einer der versiertesten Gummidrucker gibt hier folgenden Tip:

Es geht auch ohne diese Filme, indem man eine Papiervergrößerung einfach im Kontakt auf ein anderes, möglichst weiches Papier kopiert. Man kann dieses Papiernegativ (wenn es kein PE-Papier ist) zusätzlich auf der Rückseite retuschieren, mit Bleistift die Lichter und mit dem Schabemesser die Schatten verstärken. Anschließend auf einer heißen Platte die Rückseite mit Kerzenwachs einreiben. So wird es durchscheinend und klebt nicht an der Gummischicht an. Dieses Negativ sollte in der Durchsicht eher weich erscheinen, d.h., Dmax etwa 1,3-1,5.

Mehrere Arbeitsgänge, die zur Erzielung guter Ergebnisse unumgänglich sind, machen den Gummidruck zu einem arbeitsintensiven Event im Labor, das allerdings bei einer durchdachten Logistik und optimaler Planung gut zu bewältigen ist.

Vorpräparation des Papiers.

Zur Vorpräparation unseres Aquarell- oder Kupferdruckkartons (nicht unter 200 g) wurde in alten Fachbüchern mit Chromalaun versetzte Gelatine empfohlen, neuerdings ist Sprühstärke im Gespräch. Besser ist eine 4%ige Gelatinelösung (20g Haushaltgelatine in einem halben Liter Wasser plus 20 ml Spiritus). Sie wird noch warm mit einem Schaumstoffroller möglichst schnell auf das Papier aufgetragen.

Dazu den Karton mit Klebeband auf einer Hartfaserplatten befestigen. Diese Arbeitsplatte streicht man vorher mit Latexbindemittel, um sie wasserfest und abwaschbar zu machen. Nach dem Trocknen wird die Vorpräparation - vor allen bei saugfähigem Karton - wiederholt. Der Karton verbleibt auf der Unterlage zum anschließenden Härten der Gelatine.

  • 50 ml Formaldehyd (1) werden hierzu mit einem Liter Wasser verdünnt und diese Lösung rollt oder streicht man saftig über die Blätter. Der stechende Geruch zwingt zur Arbeit am offenen Fenster. Trocknen lassen.

Die trockenen Bögen müssen als nächstes zum Strecken und Vorschrumpfen (zwingend, weil mehrere Schichten paßgenau übereinander kopiert werden müssen!) für eine halbe Stunde in 50 oC heißes Wasser mit anschließender schneller Trocknung (Wäscheleine + kalter Ventilator). Sie bleiben nunmehr maßhaltig  und schrumpfen später nicht weiter ein, vorausgesetzt man hängt sie stets in gleicher Weise auf. Das erreicht man durch eine Einkerbung rechts oben, ähnlich wie bei Planfilmen.
Wenn jedesmal ein Dutzend Bogen zugleich fertig gestellt werden, stimmt auch die Logistik für diesen Arbeitsgang.

Die Gummilösung

Das Gummiarabicum hat man einige Tage vorher schon in der gleichen Menge kaltem Wasser gelöst. Größere Brocken werden unter einem Tuch kleingeschlagen. Sie sollte die Konsistenz von flüssigem Honig haben. Unreinheiten der Lösung werden beim Pressen durch Siebdruckgaze oder ein anderes festes Gewebe entfernt. Mit einigen Tropfen Phenol versetzt hält sie über Jahre. Wer zuviel Chemie scheut, dem empfehle ich das Einfrieren der ungiftigen Lösung in der Tiefkühltruhe.

Die Chromatlösung

Ich nehme zur Sensibilisierung eine gesättigte Lösung von Ammoniumdichromat, statt des in der Literatur empfohlenen Kaliumsalzes. Zwei Vorteile ergeben sich hieraus:

  • Ammoniumdichromat ist wesentlich wasserlöslicher als das Kaliumsalz.
    Die gesättigte Ammoniumdichromatlösung ist ca. 30%ig, Kaliumdichromat gestattet maximal eine 10%ige Lösung.
  • Ammoniumdichromatlösung verträgt sich mit Alkohol, daß Kaliumsalz nicht.

Die Farbe

Trocken- bzw. Pulverfarbe ist das Beste. Pigmente von Schminke gibt es im Künstlerbedarfshandel. Mit braunen Erdfarben wie Englischrot, Ocker eignen sich besser als z.B. Schwarztöne, die häufig belegte Lichter hinterlassen, es schmiert wie H. Kühn schreibt. Wenn schon Schwarz, dann ist Eisenoxidschwarz sicher die beste Empfehlung.

Pigmentierung für braunen Gummidruck:

  • Lichterdruck: Lichter Ocker + etwas Englischrot hell.
  • Mitteltöne: Umbra gebrannt + etwas Englischrot hell.
  • Schatten: Eisenoxidschwarz + etwas Englischrot hell.

Die Beschichtung

Der Aufstrich setzt sich zusammen aus:

  • 1 Teil Gummilösung
  • 3 Teilen Chromlösung und
  • der entsprechenden Farbmenge.

Ich verwende zum Auftrag auf das Papier einen Schaumstoff-Roller mit Plüschüberzug wie ihn die  Farbenhandlung für Lackierarbeiten anbietet. Vorausgesetzt man taucht sie nicht zu tief in das Gemisch und rollt vorher z.B. auf einer Glasscheibe etwas ab, bekommt man damit in kürzester Zeit eine völlig gleichmäßige und hauchdünne Schicht, die in dieser Güte mit keinem Pinsel zu erzielen ist.

Die Entwicklung

Nach der Trocknung und Belichtung unter dem Negativ mit UV Licht erfolgt die Entwicklung im Wasserbad. Bitte kein eiskaltes Wasser nehmen, weil sonst durch die erhöhte Raumtemperatur weitere Teile der  Farbgummischicht in Lösung gehen, die im kalten Wasser noch unlöslich waren und das Bild beim herabrinnen verschmiert.

Ob man das Bild bei der Entwicklung einfach mit der Schichtseite nach unten im Wasser schwimmen läßt, oder nach kurzem Einweichen in Schräglage mit der Blumengießkanne übergeht, bleibt sich fast gleich. Im ersten Fall erhält man mehr und ausgeglichenere Tonwerte, beim Begießen kann man individueller arbeiten und partiell das Motiv durch mechanisches Eingreifen (Wattebausch, harter Wasserstrahl, Bürste usw.) beeinflussen. Nach dem ersten Auftrag dürfen nur die Lichter erscheinen. Die einzelnen Schichten sollen möglichst schnell mit dem Ventilator (kalt) getrocknet werden.

In der oben beschriebenen Weise werden nun mehrere Schichten - Lichter- , Mittel- und zuletzt der Schattendruck - übereinanderkopiert, die insgesamt den tonigen Gummidruck ausmachen.

Die Hauptfehler beim Gummidruck sind:

  • ungenügende Vorpräparation (Farbe bleibt in den Lichtern hängen)
  • zuviel Farbkörper im Gemisch (Farbe blättert beim Entwickeln ab, weil das Licht nicht die Schicht durchhärten konnte).
  • Beim Lichterdruck wird meist zu wenig, beim Schattendruck zuviel Pigment genommen.

Zeitungsschrift muß unter jedem neuen Farbauftrag noch zu lesen sein.

Die Kosten

Die Kosten halten sich beim Gummidruckverfahren in Grenzen, es wird jedoch viel Zeit gebraucht. Man sollte immer mehrere Motive nebeneinander behandeln. Sonnenlicht ist zwar ideal, aber sehr schwankend, der Kauf einer UV Lichtquelle oder eines Kopiergerätes daher zu empfehlen.

 

(1) D. Münzberg bevorzugt aus gesundheitlichen Gründen die Methode mit Chromalaun.
Diese Substanz ist zwar auch als gesundheitsschädigend einzustufen, allerdings
kann man sich bei vorsichtiger Handhabung besser gegen Kontaminierung schützen.
Formaldehyd steht im Verdacht der Krebserzeugung