Kallitypie

Die Kallitypie gibt es etwa seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Sie wird oft als der kleine Bruder des Platin/Palladiumprints bezeichnet. Eine charmante Untertreibung. Diese Unterbewertung des Verfahrens liegt nicht zuletzt daran, daß – wie sollte es auch anders sein bei solch einem »offenen« Silbersalzverfahren – daß viele historische Kallitypieabzüge mit den Jahren durch Umwelteinflüsse und natürlich auch schlechte Fixage der Bilder verblichen sind.

Historisch war die Kallitypie zwischen 1880 und 1920 ein weit verbreitetes Verfahren, dessen Bilder oft - in nicht unbedingt lauterer Absicht – als Platindrucke ausgegeben wurden. Heute sind Vintage-Kallitypien eine Seltenheit am Markt. Man vermutet, daß viele Kallitypien sich hinter der Maske des originären Platinprints verbergen, da die Ähnlichkeit so stark ist, daß nur mit einer dezidierten Röntgen-Spektralanalyse die Echtheit des Druckes bestimmt werden könnte.

Die »elegante« Kallitypie.

Die Emulsion.

Folgende Lösungen zu gleichen Teilen mischen:

  • Lösung »A« (10% Silbernitrat).
  • Lösung »B« ( 20%ige, oxalsäurefreie Eisen-III-oxalatlösung).
  • 1 Tropfen 20%ige Tween 20TM auf etwa 40 Tropfen Gesamtlösung zusetzen.

Für einen 8x10 inch Druck werden jeweils etwa - je nach Papiersorte - 25 Tropfen der Lösungen A+B benötigt.

Kontrast.

Erfahrene Printer setzen der Lösung zur Kontraststeigerung geringe Mengen einer 2%igen Ammoniumdichromatlösung zu. Wenn to strong, dann eben 1%ig.

Beschichtung.

Die Beschichtung erfolgt entweder mit einem Schaumstoffpinsel oder mit einem »Beschichtungsstab« aus Glas bei gedämpfter Raumbeleuchtung. Der Auftrag sollte üppig sein, jedoch vollständig in den Papierfilz einziehen. 1-2 Minuten ruhen lassen bevor dry!! Eine auf dem Papier »stehende« Sensibilisierungslösung würde bei der Entwicklung unweigerlich abschwimmen.

Trocknung.

Moderat mit Fön oder in Dunkelheit bei Raumtemperatur.

Belichtung.

Im Kontaktrahmen oder unter einer Glasscheibe mittels einer UV-Lichtquelle. Die Belichtungszeit ist etwa um die Hälfte kürzer als beim traditionellen Platin/Palladiumdruck. Bitte testen! Kallitypien bleichen im Fixierbad erheblich aus, so daß entweder vor der Fixage getont (Goldtoner) werden sollte oder aber die Belichtungszeit so gewählt werden muß, daß die scheinbare Überbelichtung nach dem Fixieren den richtigen Bildton ergibt. Anders ist das Problem des Ausbleichens nicht zu lösen.

Entwicklung.

Wie auch immer, entwickelt werden sollte immer etwa 1 Min, auch wenn das Bild im Entwickler spontan sichtbar wird. Und weil das so ist, muß das belichtete Papier ganz schnell und ohne Unterbrechung in den Entwickler getaucht werden. Sonst gibt‘s Flecken! Und immer gut bewegen!

Fixing

Fixier wird in einer 2,5%igen Natriumthiosulfatlösung, handwarm. Wenn wärmer, dann bleicht das Bild stärker aus. Fixierzeit 15 Sekunden (!!), dann sofort mit fließendem Wasser abspülen. 1 Liter reicht für etwa 10 8x10 inch Prints. Also: immer schön neu machen!

Clearing.

Frisches Wasser für 30 Sekunden, dann 3-5 Minuten in eine 2%ige EDTA (Tetranatriumsalz)-Lösung. Ergiebigkeit der EDTA-Lösung: 20 Stck. 8x10 inch Drucke.

Endwässerung.

5 Minuten mit anschließender Trocknung durch Aufziehen mit Naßklebeband auf Glasscheibe.

Tonung.

Wie schon gesagt, getont werden kann mit unterschiedlichen Edelmetallen. Warum Tonung?

  • Weniger Ausbleichen im Fixierbad
  • längere Haltbarkeit.
  • erhöhter Kontrast und
  • variable Tonigkeit.

Tonungsbäder

  • 5 g Zitronensäure in 1 l Wasser lösen,
    dann entweder:
  • 5 ml Goldchlorid 5%
    oder
  • 5ml ca. 16%ige Palladiumlösung
    oder
  • 5 ml 16%ige Platinlösung hinzufügen.

Nach der Entwicklung und gründlicher Wässerung werden die Bilder in das Tonungsbad gebracht und so lange darin getont, bis der gewünschte Ton erreicht ist. Dabei verbraucht sich das Tonungsbad und mit der Zeit sammelt sich in der Tonungsflüssigkeit das durch Umwandlung ersetzte Bildsilber. Anschließend wir fixiert – das Bild ist nun ausreichend gegen ausbleichen geschützt - und gründlich gewässert.

Nochmals: Ein Vorteil der Handbeschichteten Fotografie liegt eben in der Möglichkeit, durch unterschiedliche Behandlung der Prints zu unterschiedlichen Images zu kommen.

Carlos Gaparinho’s Anmerkungen über seine Vorlieben 
beim Kallitypie-Print.

  • ich arbeite mit weitaus konzentrierteren Lösungen von Eisenoxalat und Silbernitrat. Das Verfahren läuft dabei etwas kontrollierter ab und es besteht weniger die Gefahr des Ausbleichens in der Fixage. Ich benutze Eisenoxalatlösungen bis zu 50%iger Konzentration.
  • Ammoniak ist ein wichtiger Bestandteil des Fixierbades. Ich fixiere über 3 Minuten und das Bild bleicht nur wenig dabei aus.
  • The only historical formula that somewhat resembles mine was published by Nelson C. Hawks in "The Camera Craft" of 1916 and republished in the "Photo Miniature" of January 1922. If you remove the potassium oxalate as a saturated solution you will end up with Fe. Ox. at 47% and silver nit. at 17%.
  • Ich tone die Kallitypien, die ich verkaufe mit Gold, Platin oder beiden Edelmetallen. Die endgültige Farbe des Bildes hängt ab von der Art des Toners und des Ursprungtones der Kallitypie. Dieser ergibt sich nicht nur aus dem Gebrauch unterschiedlicher Entwicklersubstanzen, vielmehr ist die Menge des verwendeten Eisen- und Silbersalzes für diesen Ton von entscheidender Bedeutung. Bei Verwendung des Natriumacetatentwicklers und Variation der o.g. Salze kann ich Bildtöne von tief schwarz bis sepia erreichen.
  • Ich benutze lediglich einen Tropfen Dichromat (Kalium arbeitet besser als Ammonium) per 4x5 inch Kopie. Zur Veränderung des Kontrastes ändere ich die Konzentration der Dichromatlösung.
  • Der Trocknungsprozess ist sehr wichtig. Zuerst die Oberfläche mit dem Fön antrocknen, dann rasch den gesamten Print folgen lassen.

Variations in the Kallitype Process

Some brief notes by Peter Marshall (petermarshall@cix.compulink.co.uk)

Eisen-III-oxalatlösung: Einfache Methode

Das Rezept der folgenden, 20%igen Eisen-III-oxalatlösung hat sich bewährt. Wie in manchen alten Formeln enthält die Lösung einen geringen Anteil freier Oxalsäure.

Iron(III) nitrate nonahydrate 8.5g
Kaliumoxalat monohydrat 5,8g
Oxalsäure 0,25g

Die Salze werden bei gedämpftem Licht in 20ml dest. Wasser gelöst (braune Flasche!) und können nach 24 stündigem Stehenlassen verarbeitet werden.

Eisen-III-oxalatlösung

Diese Methode ist in der Literatur weit verbreitet (mit kleinen Abänderungen). Ausführung unter saeftylight!

  1. Löse 42g Eisen-ammoniumsulfat NH4Fe(SO4)2.6 H2O in wenig dest. Wasser.
  2. Löse 13g Oxalsäure in etwa 100ml Wasser und mische diese Lösung der obigen hinzu.
  3. Dekantiere den entstehenden Niederschlag dreimal mit dest. Wasser.
  4. Versetze den Niederschlag mit einer Lösung von 7,5g Oxalsäure in 70ml Wasser.
  5. Versetze die Lsg. mit einer 30%igen H2O2-Lösung bis sie sich grün gefärbt hat und bei weiterm Zusatz von Wasserstoffperoxid nicht mehr sprudelt. Die Menge H2O2 variiert, weil die Lösung mit der Zeit an Wirkung verliert. Teste die Lösung wie unten angegeben.
  6. Make to 100 ml for use.

Testen der Eisenoxalatlösung

5 Tropfen Eisenoxalatlösung werden mit 1 Tropfen Kaliumhexacyanoferrat-III-Lsg. versetzt. Bei deutlicher Blaufärbung enthält die Substanz noch zuviel zweiwertiges Eisen und muß mit mehr H2O2-Lösung versetzt werden.

Wenn Du zu alle dem keine Lust hast, kaufe Dir bitte fertiges Eisenoxalat bei folgender Firma: KONTRASTE in Aschaffenburg.

Oder:

BOSTICK AND SULLIVAN
PO Box 16639
Santa Fe, NM 87506-6639
505-474-0890
Hours: 9:30 am-5pm

Dick Sullivan can be contacted by email as richsul@roadrunner.com They will send catalogues on request and ship items to the UK. As a guide, 100 gm bottle of ferric oxalatepowder is currently $47.00
 
 

Kallitypie mit Silber im Entwickler

Der folgende Prozess erzeugt (Silber)-Bilder like Platinumprints.

Gib folgende Substanzen in eine braune Flasche – ohne Schütteln!

Wasser 14 ml
Eisenammoniumcitrat (green) 1,67 g
Eisen-III-oxalat 1,00 g
Kupfer-II-chlorid 0,54 g
Kaliumoxalat 2,21 g
Gummi arabicum 0,67 g

Füge der Mischung 15 ml einer 7,5 %igen Silbernitratlösung zu, gefolgt von 1,0 g Oxalsäure. Lasse alles 24 Stunden in der Dunkelheit stehen. Danach gut umrühren und die groben Partikel durch Glaswolle oder Gaze abfiltrieren.

Der entstandene gelbe Niederschlag ist wichtig für den Prozeß!!

Beschichte das Papier mit der fertigen Suspension mit einem Pinsel und trockne schnell mit einem Haardryer (nicht über 40 oC). Bei zu glatten Papieren sollte zweimal beschichtet werden. Tween 20TM nicht vergessen! Kopiere bis lediglich die tiefsten Schatten sichtbar sind und bringe das Papier mit der Schicht nach unten schnell in den Entwickler. Anhaftende Luftblasen sofort entfernen. Entwicklungszeit etwa 1 min.

Entwickler Vorratslösung.

Wasser 100 ml
Silbernitrat 9,25 g
Citronensäure 2,32 g
Dinatrium orthophosphat
(Na2HPO4 . 12 H2O)
0,46 g

Zu Gebrauch nimmt man 13 ml dieser Lösung, fügt ca. 0,2 g Oxalsäure hinzu und füllt auf 100 ml auf. Vorrats und Gebrauchslösung bitte in braunen Flaschen aufbewahren. After Entwicklung das Bild mit klarem Wasser – es sollte auf keinen Fall alkalisch reagieren – 1 oder 2 min spülen. Anschließend wird in sehr verdünntem Fixierer (3-4 g Thiosulfat auf 1 l Wasser) fixiert. Waschen und trocknen.
 
 

Satistra Prozeß

Etwa 1913 brachte die Platinitype-Company ein Verfahren auf den Markt, bei dem die erzielten Bildergebnisse dem Platinbild sehr ähnlich waren, obwohl der größte Teil des Platins durch Silber ersetzt wurde. Das Verfahren war beliebt und am Markt bis in die 30er Jahre.

Die Formeln:

Platinlösung

Kaliumtetrachloroplatinat 1,0 g
20%ige Orthophosphorsäure 6,5 ml
Wasser bis 65 ml

 Sensitiser

Normalerweise wird dieser Sensitiser für den Platindruck mit Platin im Entwickler gebraucht. Benutz man jedoch den weiter unten angegebenen Silbersalzentwickler reduziert sich die benötigte Platinmenge dadurch erheblich.

It may also - without the platinum solution - be used for Kallitypes.

Eisen-III-oxalatlösung 20% 5 ml
Wasser 20 ml
Eisenammoniumcitrat (grün) 1,0 g
Kaliumoxalat 1,0 g
Platinlösung (s.o.) 0,5 ml
Kaliumdichromatlösung 5% 0,05-0,5 ml (je nach Kontrastwunsch)
Gummi arabicum 0,5 g
Alles bitte 24 Stunden stehen lassen.

Entwickler Vorratslösung

Wasser 48 ml
Silbernitrat 4,0 g
Zitronensäure 1,0 g
Oxalsäure 1,0 g
Mit Wasser 1+7 verdünnen.

Tip für die ökonomischste Entwicklungsart:

Mit einer Pipette außerhalb des Bildes eine gewisse Menge Entwickler entlang einer Bildkante auftragen und mit dem gebogenen Glasstab durch ziehen die Entwicklung vornehmen. Überschüssige Mengen an Entwickler können wiederverwendet werden (Aufsaugen mit der Pipette).

Although I have carefully checked the details, some errors may have crept in (my own laboratory notes are sometimes very difficult to read for a start!). If you find any errors or have any comments or suggestions or corrections I would like to know and would hope that these could also be published here. I hope that the information here encourages others to experiment with the Kallitype and helps them to produce the results they want. Sometimes in all the concentration on details and procedures we can forget that this is what really matters.

Cyanotype Toning of Kallitypes

From Judy Seigel

Ein leichtes Ding. Man setze nach der üblichen Formel für Cyanotypien (Ammoniumeisen-III-citrat und Kaliumhexacyanoferrat-III) die entsprechenden Lösungen an, dann nimmt man 10 ml der einen und 10 ml der anderen Lösung, setzt 70 ml Essigsäure und etwa 20 (ounces?) ml Wasser hinzu. Fertig.

Herstellung von Oxalsäurefreiem Eisenoxalat.

Benötigt werden:

  • Lösung »A«:
  • 2,5 g Silbernitrat auf 25 ml Wasser.
  • Lösung »B«:
  • 10 g Eisen-III-nitrat auf 25 ml Wasser.

10 Tropfen deiner Eisen-III-Oxalatlösung (Stammlösung) werden mit 1-2 Tropfen der o.a. Silbernitratlösung versetzt. Gibt es innerhalb von 15 Sek. Einen gelben Niederschlag, so ist freie Oxalsäure vorhanden. Wenn Niederschlag, dann gib einige Tropfen der o.g. Eisennitratlösung zu der Stammlösung hinzu, rühre gut um und widerhole den Test. Wiederhole Step 1+2, bis sich kein Niederschlag mehr bildet. Wer gut die englische Sprache beherrscht, dem empfehle ich die B&S Originalseite.

Dick Sullivan
Last modified: February 22, 1998